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Hospitationswoche dreier Wackelzahn-Mitarbeiter/innen im Prager Umweltzentrum Toulcův Dvůr
Eine ereignisreiche Woche mit vielen verschiedenen Erfahrungen, Erkenntnissen und auch neuen Inspirationen für die eigene Arbeit! Wir hatten die Gelegenheit, gleich in zwei konzeptionell doch ziemlich unterschiedlichen Einrichtungen der Kindertagesbetreuung unseren tschechischen KollegInnen vor Ort über die Schulter zu gucken. Neben der Materska Skola Seminko im Toulcův Dvůr (Kontakt/Internet: www.toulcuvdvur.cz ) hospitierten wir noch in der Materska Skola Sluničko am anderen Stadtende Prags. Während Seminko auch aufgrund ihres Status einer ökologisch-pädagogischen Elementar- und Vorschuleinrichtung zu einem höheren Anteil von den Eltern mitfinanziert wird (ca. zweieinhalb bis dreimal so hohe Elternbeiträge wie in ’üblichen’ Kinder-tagesstätten) steht die MS Sluničko erst am Beginn einer kontinuierlichen natur- bzw. um-/mitweltpädagogischen Arbeit. Die Seminko-Kinder können täglich Natur und Umwelt, gelebte Landwirtschaft und ihre geschichtliche Entwicklung auf einem ca. 9 ha großen Gelände mit Gärtnerei, Streuobstwiesen, Feuchtbiotopen, Bachläufen mit entspr. typischem Auenwaldbestand oder Nutz-, Haus- und Kleintierhaltung in einem früheren Bauernhofkomplex erleben. Zudem führen in dem Zentrum verschiedene Veranstalter bzw. Institutionen kostenpflichtige um- bzw. mitweltpädagogische Angebote für Kleinkinder (z. B. der Mutter-Kind-Club Mateřidouška), für Schulklassen (program Brontosaurus für ca. 1,50 €/Person), für Multiplikator/ Innen bzw. Lehrer/innen und auch familienbezogene Aktivitäten durch. Die MS Sluničko befindet sich in einem sozialen Brennpunkt, in dem die dortigen Familien ganz andere Probleme haben und diese Einrichtung somit weitest-gehend vom Stadtbezirk getragen wird (= niedrige Elternbeiträge).
Und dennoch muten die personellen wie räumlichen Bedingungen für die tägliche Arbeit im Vergleich zu den hiesigen nahezu ’paradiesisch’ an: Jedes Kind aus den beiden uns bekannten Einrichtungen hat schätzungsweise das Zweieinhalbfache an Platz zur Verfügung. Mit anderen Worten: Eine Elementargruppe wird in 3 größeren bis großen Gruppen- bzw. Funktions-räumen betreut! Alle ElementarpädagogInnen/ErzieherInnen arbeiten in Vollzeit (in Tschechien sind das 42,5 Std./Woche). Davon entfallen ca. 31 Stunden auf die reine Betreuungs- bzw. Angebotszeit; 11,5 Stunden/Woche entfallen auf die Vor-, Auf- bzw. Nachbereitung der pädagogischen Arbeit mit den Kindern – diese wird überwiegend zuhause geleistet! Unsere tschechischen KollegInnen haben mittlerweile dieselbe Ausbildung durchlaufen wie Grundschullehrer/innen – ergo ein Hochschulstudium absolviert – und werden entsprechend adäquat bezahlt… Zudem sind die Eltern gesetzlich dazu verpflichtet, ihr Kind in dem letzten Jahr vor dem Schuleintritt – in der Regel mit ca. 6 Jahren - in der Vorschule anzumelden. Diese wird ausschließlich in den Kindertagesbetreuungseinrich-tungen angeboten!!
Nun gibt es in Prag auch außerschulische Bildungseinrichtung mit dem Schwerpunkt Naturpädagogik bzw. Um-/Mitwelterziehung, die z. T. im Zentrum der Stadt wie bsplsw. die Tereza Association (Kontakt/Internet: www.terezanet.cz ) bzw. in Zentrumsnähe wie die von einer Bürgerinitiative getragene Einrichtung Občanská inspirace (Kontakt/Internet: www.obcanskainspirace.ecn.cz ) oder der Zooschule im Prager Zoo: Alle drei genannten Einrichtungen konnten wir in dieser Woche besuchen.
Die Tereza hat es sich seit ihrer Gründung 1979 zur Aufgabe gemacht, wertvolle Naturschutzgebiete bzw. –denkmäler in und um Prag zu schützen – und zwar durch entsprechende Aufklärungsarbeit bzw. pädagogische Angebote u. a. zu den Themen Gesunde Ernährung bzw. Ökologisch-Biologischer Landbau, Energieversorgung durch regenerative Energien oder Bewahrung alter Handwerkstraditionen. Sie organisieren Umweltprojekte für Kindergarten- wie Hochschulkinder in ihren Räumen und unterstützen bzw. koordinieren derartige Projekte an Schulen bzw. Einrichtungen der Elementarbildung. Zudem bieten sie weiterbildende Veranstaltungen für MultiplikatorInnen wie Lehrer/innen aller Schul- bzw. Altersstufen an. Dabei wird Tereza u. a. auch vom tschechischen Bildungs- und dem Umweltministerium unterstützt…
Die von einer Bürgerinitiative ins Leben gerufene außerschulische Bildungseinrichtung Občanská inspirace teilt sich die großen Räumlichkeiten einer ehemaligen Villa zusammen mit einem zweigruppigen Kindergarten. In den ’Kellerräumen’ dieser Villa erstellen die PädagogInnen der Občanská musikalische und bewegungs- bzw. rhythmikfördernde Programme gleichermaßen wie handwerkliche Angebote (z. B. Töpfern) oder eben auch umweltpädagogische Exkursionen in benachbarte Naturschutz- bzw. Waldgebiete – und zwar für ca. 250 Kinder pro Woche im Alter von 3 – 15 Jahren! Diese Angebote finden nachmittags statt, richten sich z. T. auch an die Mütter bzw. Eltern und kosten bis zu 2,50 € pro Kind/Veranstaltung. Konsequenterweise findet in der Angebotsplanung und –durchführung eine enge Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeiter/innen der Občanská und des Kindergartens statt. Die Nachfrage bzw. entsprechenden Wartelisten für beide Einrichtungen sind riesengroß! Zudem betreut die Občanská inspirace noch einen zweiten Standort in einem sozialen Brennpunkt, an dem sie generationen-übergreifende Angebote für (ganz) Jung und (ganz) Alt bereithält…
Die Zooschule im Prager Zoo hat, ähnlich wie ihr Pendant im Hagenbecker Zoo, ein umfangreiches pädagogisches Programm für (Vor-)Schulklassen zu bieten – mit einem allerdings ziemlich gravierenden Unterschied: Pro (Vor-)Schulkind kostet dieser Besuch inkl. eines zoopädagogischen Angebots max. 2 Euro. Bei Hagenbeck kostet allein der Eintritt in den Tierpark mind. 7 Euro (!) pro Kind – die Kosten für ein entsprechendes zoopädagogisches Angebot durch die Zooschule sind darin noch nicht mal enthalten… Weitere Bilder : Besuch in Prag |