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Projekte Wackelzahn

Sprachförderung

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Auszug aus der Gesamtkonzeption, Kapitel 3:

Auf dem Weg zu inklusiven pädagogischen Prozessen: intensivierte Sprachförderangebote


Einführung: Grundsätzliches
Seit dem 01.03.2004
1 gibt es ein spezielles Sprachförderungsprogramm in der Kita Wackelzahn für Kinder mit Migrationshintergrund bzw. mit Sprachentwicklungs-verzögerungen und –störungen. Damals nahmen 19 Elementarkinder im Alter von 3-6 Jahren an diesem Programm teil. In 2010/2011 werden mittlerweile fast 40 Kinder aus dem Elementar- und Vorschulbereich gefördert. Dabei bilden die Kinder russischer Aussiedler die mit Abstand größte Gruppe. Seit der 2. Jahreshälfte 2009 nimmt die Anzahl polnisch, türkisch und afrikanisch stämmiger Kinder in unserer Kita wieder zu.
Zwei Erzieher/innen der Kita – davon eine aus dem russischen Sprachraum stammend - sind hauptverantwortlich für die Durchführung der Sprachförderungsangebote: Sie stellen alters- bzw. leistungshomogene Gruppen zusammen, schaffen angemessene Lernbedingungen in den entsprechend regelmäßig wechselnden Räumlichkeiten und planen den gesamten methodisch-didaktischen Jahreszyklus. Zudem dokumentieren sie die einzelnen Unterrichtsmodule/-sequenzen sowohl für die KollegInnen als auch für die Eltern. Dafür haben sie regelmäßig eine Stunde Vorbereitungszeit pro Woche zur Verfügung.
Weitere drei Honorarkräfte verwenden die jeweiligen Lerneinheiten für die regelmäßig einmal wöchentlich durchgeführten Sprachförderungsangebote für ihre jeweiligen Klein(st)gruppen (s. u.).
Seit 2010 praktiziert eine der drei Honorarkräfte gemeinsam mit zwei weiteren Erzieherinnen aus dem Elementarbereich das Sprachförder-Projekt Schlaumäuse für drei Gruppen á 4 - 6 Kinder im Alter von mindestens vier Jahren: Die Kinder werden über diese PC-Lernsoftware nicht nur an die deutsche Sprache herangeführt, sondern bekommen den ersten Einstieg in die Computertechnik, indem sie bsplsw. unter Anleitung der Kolleginnen das Innenleben eines Rechners oder einer Computermaus bestaunen können!


zeitlich-organisatorischer Aufwand
Gegenwärtig werden alle Sprachfördergruppen regelmäßig jeden Mittwoch unterrichtet, und zwar – je nach Verfügbarkeit bzw. Besetzung – von mind. einer der beiden für die Sprachförderung hauptverantwortlichen Mitarbeiter/innen und einer Honorarkraft.
Die Fördergruppen selbst bestehen aus je 9-12 Kindern (Stand 2010/2011). Dabei sind die 3-/4-jährigen max. nur zu neunt, während die angehenden Vor- bzw. Schulkinder ggf. in etwas größeren Gruppen lernen.
Gegenwärtig betreut das Team die Fördergruppen mittwochs vormittags von 09:15 – 11:15, d. h. jede Gruppe für max. 40 min (wobei die älteren Kinder etwas länger gefördert werden, während bei den jüngeren auch schon mal nach 30 min Schluss ist). Für die dafür entsprechend notwendigen Vor- und Nachbereitungszeiten hat jede Mitarbeiterin des Teams noch mal ca. 0,5 Std./Woche zur Verfügung.
Zusätzlich werden nach Möglichkeit einmal pro Woche sprachförderungsspezifische Angebote im Rahmen der Morgenkreise von den jeweiligen Kolleginnen durchgeführt.
Besonders förderbedürftige Kinder erhalten quasi auch eine Einzelförderung bzw. werden in Klein(st)gruppen mit max. 4 Kindern gefördert. Dies wird einmal pro Woche von unseren Honorarkräften für noch mal jeweils ca. 20 min pro Kind/Kleingruppe geleistet.
Dieses Angebot lässt sich auch nur deswegen verlässlich aufrechterhalten, weil die Kita durch die finanziellen Zuwendungen seitens der Fachbehörde die beiden für die Sprachförderung verantwortlichen Erzieherinnen grundsätzlich für die dafür verwendete Zeit freistellen (und darüber hinaus noch drei weitere Honorarkräfte beschäftigen) kann. Das betrifft v. a. den Aufwand für die Fortbildungsmaßnahmen der beiden hauptverantwortlichen KollegInnen und die Durchführung der HAVAS
2 bei den Vorschulkindern.

Dabei sind in Projektform eingebundene Angebote in ihrer Effektivität, in ihrem Erfolg hinsichtlich der Entwicklung sprachlich-kommunikativer Kompetenzen praktisch nicht ’messbar‘ Fakt ist, dass in speziellen Projektsequenzen Gelerntes zu Themen wie “Frühlingsboten“ oder “Tiere auf dem Bauernhof“ im Rahmen mehrwöchiger Projekte und regelmäßiger Ausflüge z. B. zu Ökobauernhöfen oder ins NSG Boberger Niederung) ständig gezielt wiederholt und dadurch gefestigt wird.


methodisch-didaktischer Aufwand
Grundlegender Ansatz für die Umsetzung der im weiteren Verlauf aufgeführten Lehr- bzw. Lernmodule ist die Berücksichtigung sowohl bereits vorhandener Kenntnisse/Fähigkeiten als auch der Bedeutung der unterschiedlichen, individuellen Lebenssituationen und des entsprechenden kulturellen Kontextes der zu fördernden Kinder (s. Seite 18ff.) - was sich unmittelbar auf eine dementsprechende Einteilung der Gruppen auswirkt.
Alle Wackelzahn-Mitarbeiter/innen sind sich der Bedeutung der Erstsprache der zu fördernden Kinder als Grundlage für ein affektiv-kognitives Erlernen von Begrifflichkeiten bzw. semantischen Basisstrukturen und deren Bedeutung für das Erlernen der Zweitsprache überhaupt bewusst. Somit betrachten wir die Sprachförderung auch als einen wesentlichen Beitrag zur interkulturellen Erziehung und somit als einen wesentlichen Baustein unserer pädagogischen Gesamtkonzeption (siehe u. a. Seite 21f.).
  
Das Sprachförderunterrichtsjahr wird i. d. R. in mehrere, teilweise aufeinander aufbauende thematisch-methodische Bausteine mit dementsprechenden Lernzielen gegliedert.
Zu Beginn eines Sprachförderjahres im September stehen zunächst einmal die Kinder gewissermaßen selbst im Vordergrund: „Wie heiße ich? Wie sieht mein Körper aus bzw. wie heißen die einzelnen Körperteile? Was ziehe ich am liebsten an? Was esse ich gerne? Wie gestaltet sich mein Tagesablauf?“ – mit diesen Fragen beschäftigen sie sich, unterstützt durch unterschiedlichste Lernmaterialien wie Kartenlegespiele, Ausmalbilder, Namensspiel, Lieder, der ’gepackte‘ Koffer etc.
Danach wird der Herbst thematisiert: „Welches Obst und Gemüse gibt es zu dieser Jahreszeit (z. B. in unserem Außengelände/Bauerngarten)? Welche unterschiedlichen Formen und Farben kommen da vor? Wie riecht und schmeckt es? Welche Tiere/Vögel kann man noch beobachten?“ – dazu unternehmen wir u. a. Ausflüge in den Wald und zu den Ökobauernhöfen bzw. –gärtnereien.
Der Winter- mit der (Vor-)Weihnachtszeit nimmt einen großen Raum in unserer Sprachförderung ein – sowohl zeitlich als auch thematisch: „Welche Tiere schlafen im Winter? Was ziehe ich im Winter an? Was bedeuten Advent und Weihnachten? Woraus besteht ein Adventskranz?“ - die Kinder basteln einen solchen Adventskranz, erfahren Grundsätzliches über die christlich-religiöse Bedeutung des Weihnachtsfestes, backen für den Nikolaus/Weihnachtsmann, singen Winter-, Advents- und Weihnachtslieder, feiern vier Adventskindergottesdienste und einen großen Familienweihnachtsgottesdienst in der Gnadenkirche.
Bevor die Frühlingsboten und das Osterfest themenbeherrschend sind, wird auch unser jährliches Faschingsfest für die Sprachförderung ’eingespannt‘: „Als was will ich mich verkleiden? Welche Blumen und Tiere kündigen den Frühling an – welche Farben prägen diese Jahreszeit? Welche Bedeutung hat das Osterfest für unsere Kultur/Religion (und was hat der Osterhase damit zu tun)?“ - Lieder, Tänze, Sing- & Fingerspiele, das Anfertigen unterschiedlichster Kostüme, Karnevalsgeschichten, Begrifflichkeiten und Farbbestimmungen zu Blumen und Blüten, Bastelaktionen mit Osterhasen und Osterküken sind prägende pädagogische Inhalte und Methoden für diesen Zeitraum.
Den Abschluss eines Sprachförderjahres bildet der sich ankündigende Sommer: „Was schwirrt in der Luft herum? Was wächst in unserem Garten? Was lebt und wächst auf dem Bauernhof?“ – die Kinder entdecken und formulieren mittlerweile Gegensätze (groß↔klein, süß↔sauer, kalt↔warm, Sommer↔Winter) und machen diese aber auch sich selbst wieder zu gemeinsamen Themen. Fragestellungen, mit denen sie sich schon zu Beginn des Kitajahres – sprich: im vorherigen September – beschäftigt haben, sind wieder an der Tagesordnung (bzw. werden noch mal wiederholt), z. B. „Sommerzeit ist Urlaubszeit – was muss ich alles in meinen Koffer packen??“
 

 1 Die teaminternen Vorbereitungen zu den Durchführungsmodalitäten von Sprachförderung in der Kita Wackelzahn begannen schon im Januar 2004 (bzw. mit dem Konzeptionstag im November 2003). Ab März starteten dann die ersten Unterrichtseinheiten…

  2 HAVAS – “Hamburger Verfahren zur Analyse des Sprachstandes bei 5-jährigen“. Im Oktober/ November 2004 haben die Kolleginnen damit begonnen, entsprechende Untersuchungen vorzubereiten bzw. durchzuführen!

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